Der Querfeldeinmarathon in Schneckenlohe und das Tief George from Hell.

Das hatte wieder mal wunderbar geklappt, ausgerechnet der Marathon in Schneckenlohe hätte wirklich besseres Wetter verdient. Aber was nicht sein soll, soll halt nicht sein, dachten sich zwei RADioAKTIVe und begaben sich trotz der dunkelroten Warnkarte auf www.unwetterzentrale.de in die reizvolle Gegend der Ausläufer des Frankenwalds. Doch der Reihe nach:

Der Marathon in Schneckenlohe ist – das muss einfach mal gesagt werden – ohne Zweifel eine wirklich klasse Veranstaltung. Man fragt sich schon, weshalb fahren viele Leute lieber hunderte von Kilometer auf Events in die Alpen, um sich dann auf 100% Schotterstrecke zu vergnügen und teilweise hohe Startgelder zu bezahlen, wenn es solche Perlen quasi um die Ecke gibt. Nur 25,– € Startgeld, familiäre Atmosphäre, tolle Strecke mit vielen Singletrails, motivierte Helfer und da das Rennen ein MTB Verein organisiert, bleibt das Startgeld in der Szene, anstatt in Wochenendhäusern am Starnberger See zu versickern. Somit ist klar, Schneckenlohe muss sein, Wetter hin oder her.

Wenn sich größere Tiefdruckgebiete bereits fünf Tage vor dem Wochenende für das ebensolche in den Wettervorhersagen ankündigen wird’s natürlich spannend. Da hat sich in Radsportkreisen das Ritual etabliert, 25 Webseiten von Wetterberichten anzusehen und sich den rauszusuchen, wo das Wetter am freundlichsten wird. Das Problem in diesem Fall war nur: Es gab keine Webseite, bei welcher etwas anderes als Dauerregen in Massen angekündigt war, außer man hat versehentlich einen Bericht für den 18.09.2006 erwischt. 2006 war irgendwie schon ein tolles Jahr, nützt jetzt bloß nix.

In einer am Freitag gehaltenen Telefonkonferenz zwischen dem Alterspräsidenten und unserem U23 Talent wurde dann festgelegt, dass wir auf jeden Fall hinfahren, komme was wolle. Und der Samstag, ja der war gar nicht so schlecht, na, wird ja nicht so schlimm werden. Dieser Eindruck verstärkte sich am Sonntag früh um 5:30 Uhr MEZ: Wir wurden von Wecker- und nicht von Platzregengeräuschen geweckt. Na denn, Schecko wir kommen!

Auch bei der Anfahrt kam nichts vom Himmel, zweifelsohne hatte es wahrlich schon schönere Septembertage gegeben, aber das gehört halt zum Outdoorsport. Wer damit nicht klar kommt, muss sich halt ein Spinningrad kaufen oder in die Wüste Gobi ziehen. Frohen Mutes trudelten wir in Schnecko ein, die Strecke war laut Veranstalter von Gewitterschauern  der letzten Nacht zwar aufgeweicht aber fahrbar, na also. Somit stand für den älteren Herren fest: Die 80 Kilometer werden gefahren, nix mit Umbuchung auf die Mittelstrecke, da gibt’s weniger Punkte für den Cube-Cup.

Damit wären wir beim Punkt Motivation: Während der Alterspräsident also 80 Km Vollgas fahren wollte, um eine Vorentscheidung in der Gesamtwertung des Cube-Cups zu erzielen, waren die Pläne unserer U23 Rakete etwas anders gelagert: „Ich nutz das heut nur als Trainingsrennen mit fester Pulsvorgabe, damit ich a) für die folgenden CC Rennen noch richtig Dampf hab und – viel wesentlicher – b) an den nächsten beiden Tagen will ich mit dem Chefpräsidenten vom Verein eine Tour fahren und da muss ich fit sein“

Wahnsinn, da soll noch einer sagen, die heutige Jugend hätte vor nix mehr Respekt. Soviel Ehrfurcht vor dem Häuptling gibt’s heutzutage nicht mal mehr bei der CSU, geschweige denn woanders. Nach dem obligatorischen auf der Rolle-Warm-Fahren des älteren Herren (dann wird das Rad wenigstens bis zur Startlinie nicht dreckig und man kriegt keinen Muskelfaserriss) standen wir schließlich am Start mit der üblichen Frage:

Ist Wechselstrom/Gleichstrom (AC/DC) die einzige Rockband des Planeten?

Weshalb immer AC/DC? Mann, wir feiern aktuell 20 Jahre Nevermind!!!. 20 Jahre!!! Nirvana hätte auch wesentlich besser zum Startschuss gepasst. Denn zum Startschuss gesellte sich pünktlich was? Na was wohl? Richtig: Regen! Endlich!

Das war zunächst erst mal ganz harmlos, die ersten Trails ließen sich noch gut fahren, da hat man im Wald noch gar nicht mitgekriegt, was sich da über uns so zusammenbraute. Starkregen vom Feinsten begrüßte uns dann auf dem ersten Abschnitt außerhalb des Waldes. Der ursprüngliche Plan des U23 Fahrers im RADioAKTIV Trikot, dem mehr als doppelt so alten Punktejäger vom gleichen Team hinterher zu gurken wurde dann fallen gelassen: a) Puls zu hoch und b) die Waden versperren jegliche Sicht nach vorne, vor allem wenn die Brille ständig anläuft.

In solchen Momenten schaltet das Hirn auf gewisse Selbsterhaltungstriebe. Da werden Berechungen angestellt, das ganze Drama aus den Wolken hat eine Intensität, die nur bei Regenschauern entstehen kann. Wenn der so genannte Schauer nach einer Stunde aber immer noch „schauert“, kommen langsame Zweifel. Wenn ansonsten harmlose Schotterpassagen zu Bächen mutiert sind, wird’s schon spannend, wie die nächsten Trails beschaffen sind. Matsch pur, wunderbar und die Schlammreifenlaufräder liegen vorsorglich im Kofferraum.

In solchen Momenten fallen einem auch immer diese dummen Sprüche ein wie

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“.

So was ist natürlich kompletter Blödsinn. Das kommt von Leuten wie dieser Bekleidungsfirma, die seit über 25 Jahren exakt den gleichen Werbespot vor der 20 Uhr Tagesschau ausstrahlt, erklärt, wir sichern Arbeitsplätze in Deutschland während davor ein Schimpanse höchstpersönlich den Marketingchef der gleichen Firma mimt. Was wissen solche Kreise schon von der Hölle von Schneckenlohe. Nichts.

Und dazu kommt noch: Neben dem Marathon in Trieb gibt es auch in Schnecko massig wirklich schöne Trails und Abfahren, da haben sich die Veranstalter alle Mühe gemacht und nun versinkt alles im Modder ohne Ende, kann man nichts machen. Obligatorisch war auch diesmal die Rampe am Ende der Runde, die ist schon trocken heftig, da man ca. 50 Meter senkrecht rauf das Rad schultern muss, bei diesen Bedingungen hieß es: Einen Schritt vor, zwei rutschen wir zurück. Das kann also dauern.

So war nach einer Runde die RADioAKTIVE U23 Fraktion im Ziel, während sich das aufgeweichte Vereinsgammelfleisch bereits der zweiten Runde bei weiter intensivierenden Regen hingab. Wer dachte, schlimmer kann es nicht mehr werden, wurde nun eines besseren belehrt: Nie gedacht, dass kurze Teerabschnitte bei Mountainbikern solche Glücksgefühle bescheren können. Kommt halt immer darauf an, in welcher Situation.

Die nun stattfindenden Gedankengänge der inzwischen unter Wasser stehenden älteren Hirnmasse können wir hier aus diversen Gründen leider nicht aufzeigen. Es ist aber auf jeden Fall ein Zeichen von Cerebraler Zentralisation, wenn man sich einbildet, man hätte eben rosarote Elefanten durch den Wald laufen sehen. Das war zum Glück am Ende der zweiten Runde, vor der Rampe. Die noch hoch und irgendwie drüben wieder runter, dann ist nur noch harmloses Fahren in Bachläufen angesagt, die vorher Feldwege waren.

Da passt natürlich prima, dass die Hinterradbremse inzwischen komplett zu war. Somit waren die letzten Kilometer noch Kraft pur, dann endlich kam die Ziellinie und was passierte? Was wohl? Es hat aufgehört zu regnen. Na also geht doch. Und wenn man dann wie in Schecko die beste Dusche des Universums nutzen kann – freut man sich schon eine halbe Stunde später über das Preis- Leistungsverhältnis von 2 Paar Coburger Bratwürsten + eine halbe Bier für 6,60 € und lauter nette und freundliche Leute auf der Siegerehrung…

Da mussten wir schließlich noch hin, der Alte war wieder dritter in seiner Altersklasse und der ganz junge war mit dem 9. Platz in seiner Altersklasse immerhin noch in der ersten Hälfte – trotz höherer Ehrfurcht vor dem Präsidenten als vorm Regen. Ach ja, abends hab ich dann noch mein Bike inspiziert und irgendwann ist immer das erste Mal denn:

Ich hatte es noch nie geschafft einen ganzen nagelneuen Satz Scheibenbremsbeläge in einem Rennen bis auf die Trägerplatte runterzubremsen!

So liebe Leut, nachdem das Wetter in Schnecko nicht mehr schlimmer werden kann, sind wir nächstes Jahr bestimmt ein paar mehr oder? Es muss ein Ruck durch den Verein gehen. Ach ja, wer jetzt immer noch keinen Schimmer hat, wer von uns dort war: Der eine wohnt in Gottsfeld bei Creußen, der andere in Amberg und kommt ursprünglich aus Bayreuth. Damit ist eigentlich alles gesagt.

 

In diesem Sinne, ride on, egal ob sunshine or hell !
Der Alte

Anmerkung des U23 Fahrers:
Die Duschen waren ein 10m² großer Pavillon mit leicht blickdurchlässigen Stoff, der in einem Hof aufgestellt wurde. Oben waren 3 Duschköpfe angebracht. Leider war die Wassertemperatur so extrem hoch, dass der erste Gedanke war, nach draußen zu gehen und den Hochdruckreiniger beim Bike-Waschplatz zum duschen zu benutzen.

Anmerkung des Verfassers zum Thema Duschen:
Die leichte Stoffbespannung hat nichts ausgemacht. Im Gegenteil, die Bespannung zog das Publikum ausserhalb des Duschpavillions sogar an. Was die Temperaturen angeht, hängt es natürlich davon ab, wer gerade duscht. In meinem Fall hatte der Vereinschef persönlich die Heizleistung des Kellerkraftwerks im Nachbarhaus heruntergefahren und die Wassertemperatur auf die persönlichen Bedürfnisse von mir und vom Klaus Dumler angepasst. Diesen Luxus haben nicht mal Profis wenn sie die Marathon DM gewonnen haben


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