RADioAKTIV Racing und Weihnachten – die etwas andere Vereinsweihnachtsfeier

P1010226

Liebe Fans, Gönner, Sponsoren, Radverrückte, Internetvoyeure, Neider, Vereinslose ohne Mitgliedsantrag und andere Interessierte an unserem Verein: Weihnachten steht bekanntlich vor der Tür und da durfte unsere obligatorische Weihnachtsfeier nicht fehlen. Bevor sich jetzt 99% mit Argwohn und leichter Übelkeit von diesem Bericht abwenden – keine Sorge, hier geht es nicht um irgendeine Weihnachtsfeier, sondern eben um unsere Weihnachtsfeier. Nicht in einem verstaubten Sportheim, sondern im schönsten Bikeshop des Planeten. Nicht mit der häufig unvermeidbaren gähnenden Langeweile, sondern vom genauen Gegenteil. Nicht mit der in vielen Vereinen üblichen Teilnehmerzahl von ca. 5% aller Mitglieder, nein, mit rund 45 Personen hatten wir eine Quote von über 60%. Wohlgemerkt, alle kamen freiwillig. Und man muss bedenken, wir haben inzwischen einige Außenposten, sei es in Südostbayern oder in Australien, deren Anreise nicht möglich war. Somit absoluter Teilnehmerrekord, Tendenz weiter steigend. Weihnachtsfeiern können also durchaus ein Indikator dafür sein, ob ein Verein noch lebendig oder bereits scheintot ist.

Wer die Trends im Bereich der Sporternährung in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, hat sicher bemerkt, dass Kohlehydrate inzwischen ziemlich verteufelt sind. Galt früher, je mehr Nudeln desto besser, wird heutzutage schon fast vor dem Verzehr derartiger Mehlspeisen gewarnt. Gut, auch hier waren oder sind wir schon immer Vorreiter, ein nicht gerade kleiner Teil unserer Mitglieder hat sich ohnehin eher von halben Schweinen als von Körnern ernährt. Dieser Entwicklung wurde auf der Feier in Form von fränkischem Schäufala, Schweinsbraten und halben Gockel Rechnung getragen. Natürlich gab es auch Neuentwicklungen aus unseren Geheimlabors zum Ausprobieren, geheimnisvolle Pasteten, aufgetragen auf Buchauer Holzofenbrot. Das wird der Trend in der MTB Weltcupszene 2012, fast alle Teams haben bereits vorgeordert. Energieriegelhersteller stehen vor der kompletten Umstellung ihres Sortiments.

Lieber geneigter Leser, mal Hand aufs Herz: Regen auch Dich diese Betroffenheitssendungen zu Weihnachten im Fernsehen nicht auf ohne Ende? Geht es Dir nicht auch gewaltig auf die Nerven, wenn wieder irgendwelche Promischnösel, die ihren Wohnsitz längst von Deutschland in Steuersparparadiese verlagert haben, wieder den großen medienwirksamen Wohltäter spielen? Von derartiger Heuchelei sind wir doch schon längst mehr gesättigt als von jeder Weihnachtsgans. Ganz zu schweigen davon, was derzeit wieder weihnachtstechnischer Werbemüll über uns ergeht. Von Bayern 3 80er-Dudelweihnachtssongs gar nicht zu sprechen, zum Glück bescherte uns die Evolution den MP3 Player. Ja, da sehnen wir uns doch im tiefsten Herzen nach den wahren Worten, nach den wahren Werten, nach dem was an Weihnachten wirklich wichtig ist. Die richtigen Worte zu Weihnachten, liebe Freunde, die findet man noch in der Kirche oder auch mal bei Weihnachtsfeiern, wenn man die richtige erwischt hat. So wie die Rede unseres zweiten Vorstands, die wir an dieser Stelle auch denjenigen nicht vorenthalten wollen, die sie leider nicht live erleben konnten:

„Das Rad ist rund- und nicht nur dieses, auch unser Präsi!

Fröhliche Weihnachten, liebe Festgäste, liebe Radsportverrückte, liebe Zimmerstutzenfreunde, liebe Freunde.

In diesen festlichen Tagen nehmen wir uns Zeit für Menschen, die uns wichtig sind. Wir freuen uns über Besuche, Briefe und Anrufe. Wir spüren: Wir gehören zusammen. Wir stützen einander. Wir sind einander verbunden. Zusammenhalt, Verständigung, Miteinanderauskommen: Das brauchen wir in unseren Familien, in unserem privaten Leben und in unserem Verein. Zusammenhalt, Verständigung, Miteinanderauskommen: All das geschieht nicht von allein. Dafür muss man etwas tun.

Unser Verein lebt von denen, die sehen, wo sie gebraucht werden, die nicht dreimal überlegen, ob sie sich einsetzen und Verantwortung übernehmen. Einige dieser Menschen habe ich heute Abend in den Laden eingeladen. Sie haben sich in diesem Jahr für andere, mit anderen gemeinsam eingesetzt. Aus unterschiedlichen Gründen und Motiven. Obwohl sie alle verschieden sind, liegt es an ihnen und an vielen anderen, die so handeln wie sie, dass unser Verein zusammengehalten wird: von Solidarität und von dem gemeinsamen Füreinandereinstehen.

Der Verein kann im Rahmen seiner Möglichkeiten Menschen sportlich unterstützen. Aber jemanden Mut zusprechen, jemanden auf die Schulter klopfen, jemanden die Hand reichen: Dafür braucht es Menschen, für die Menschlichkeit wichtig ist. Dafür braucht es Menschen wie euch: Menschen, die sich in der Nachbarschaft um Kinder kümmern, für die Menschen mit Behinderung von Anfang an selbstverständlich dazugehören. Menschen, die Kranke besuchen, einfach so, weil es für sie normal ist, eine Freude und ein persönlicher Gewinn.

Menschen die sich im Verein engagieren- und alle anderen wissen: Auf die ist immer Verlass. Menschen, die sich mit anderen zusammentun, um neue Ideen zu verwirklichen. Die sich für Ämter zur Verfügung stellen, weil sie sich verantwortlich fühlen. Wer sich so engagiert, bekommt viel zurück.

Ehrenamtliche leben übrigens auch länger. Unser Verein ist frei und bunt: Wir leben in verschiedenen Lebenswelten, wir sind unterschiedlich, was unsere Herkunft angeht, unsere Religion, unsere Bildung und unsere Träume vom Glück. Damit ein Verein aus so vielfältigen Menschen Bestand hat, brauchen wir vor allen Dingen: Respekt. Respekt vor dem, der anders ist als man selbst. Und Anerkennung  auch seiner Leistungen. Respekt schon vor den Kindern und ihren Bedürfnissen. Anerkennung dessen, was ihre Mütter und Väter leisten. Respekt und Anerkennung vor der Lebensleistung der Älteren. Jeder muss spüren: Ich gehöre dazu, ich werde gebraucht.

Unser Verein durchlebte 2011 auch harte und von Diskussion und Widerstand geprägte Zeiten. Fukushima und der daraus resultierende Atomausstieg, sorgten bei Ausfahrten für Verwunderung und Missachtung bzw. Nichtachtung bei der ländlichen Bevölkerung. Lange und anstrengende Reden und Diskussionen brachte uns im Verlauf des Jahres wieder Anerkennung und Bewunderung. Dies zeigt auch, dass wir in schwierigen Zeiten an unserem Hauptsponsor festhalten sollten.

Zu Weihnachten wünsche ich uns allen eine tragende Gemeinschaft – eine Familie  und Freunde, die uns Heimat und Zuhause bedeuten. Lasst uns immer wieder neu finden, was uns miteinander verbindet und zusammenhält. Radfahren. Wissen ihr, was die meisten Kinder von ihren Eltern gern hätten? Mehr Zeit. Nehmen wir uns die Zeit füreinander. Euch allen wünsche ich ein frohes Fest und dann ein gutes, erfülltes Neues Jahr 2012.“

Leider können diese Zeilen beim lesen längst nicht so wirken wie live vorgetragen. Natürlich durfte ein erster Rückblick auf die sportlichen Erfolge 2011 nicht fehlen. In ausführlicher Form werden die Leistungen unserer Sportler und auch die der ehrenamtlichen Helfer noch auf der Jahreshauptversammlung gewürdigt. Vorab gestaltete sich der Rückblick mehr den Mitgliedern, die erneut einen Comebackversuch in die Rennszene wagen wollten, letztlich aber gescheitert sind. Wir dürfen auch hier unseren zweiten Vorstand zitieren:

„Nun möchte ich euch noch einen kurzen Überblick über meinen Jahresverlauf geben, da ich auch dieses Jahr wieder intensiv am Vereinsleben teilgenommen habe: Unter dem Motto: „Ich will Bergfloh werden.“

Januar 2011: ein umgeknickter Zehennagel stoppt den Aufwärtstrend. Wieder genesen, versuche ich mit einer knüppelharten Einheit, 35 km, 450 hm, mich auf die kommenden Wettkämpfe vorzubereiten.

Februar 2011: beim Probesitzen auf dem Rennrad merke ich, dass der Sattel zu tief ist. Der Tag ist gelaufen. Beim Bergtraining mit dem Mountainbike knicke ich mit dem linken Fuß beim Schieben am Berg um. Der Februar ist rum und auch der halbe März.

März 2011: Der erste Satz 1,8 er Nobby Nic ist durch die starke UV- Strahlung über das Kellerfenster ausgeblichen. Es verstreicht Tag für Tag.

April 2011: Wetterumsturz. Leichte Bewölkung am Himmel. Ich entscheide mich für Rolle statt Rennrad. Doch eher für Rollbraten.

Mai 2011: Erstes Rennen. Es geht mit dem Teufel zu. Ich verliere den Kettenstrebenschutz an der linken Kettenstrebe und muss das Rennen abbrechen. Ein neuer Rahmen muss her, einer der mir gewachsen ist.

Juni 2011: bei einer Ausfahrt bemerke ich, dass ca. 0,5 bar Luft im Reifen fehlt. Ich lasse mich abholen. Neue Laufräder sind ein Muss.

Juli 2011: ein halbes Jahr voller Rückschläge ist vorüber. Und es folgt der nächste. Die Rennradausfahrt Sonntag morgens  scheitert am Standplatten. Und ich bin immer noch zu schwer.

August 2011: mehrere Rennen meiner härtesten Konkurrenten verlaufen reibungslos. Sarah und Theresa werden ständig erste. Trotz dessen, dass meine Waden viermal so dick sind, wie die vom Kai, erreiche ich nichts.

September 2011: macht es 2011 überhaupt noch Sinn? Ich verschalte mich zweimal am harten Anstieg zum Pegnitzer Marktplatz. Ich steige ab, da ich mich aufs Weißbier beim Eisdealer freue.

Oktober 2011: Standschäden an zwei Rädern von mir. Hausstaub auf der Kette.

November 2011: Meine Räder brauchen Pflege und müssen eingewintert werden.

Dezember 2011: die RADioAKTIV Weihnachtsfeier steht an. Ich besorge mir 2 Fässer Bier und Plätzchen um trainieren zu können. Erste Erfolge stellen sich ein. Ich hab meine Sportart gefunden.

Und nun schließe ich mit den Worten: „Süßer die Glocken nie klingen!“

Denjenigen unter der Leserschaft, die sich von Jahr zu Jahr mit mittelmäßigen Ergebnissen auf Regionalserien mit Vitamin B von Radvollsponsoring zu Radvollsponsoring durchschnorren sei aber gesagt, dass die vorangegangenen Zeilen copyrightmäßig geschützt sind und sich somit nicht zur Ausredenfindung bei Teambewerbungen 2012 eignen. Da müsst ihr euch schon was anderes einfallen lassen. Damit beschließen wir an dieser Stelle den intellektuellen Ausflug in die Veranstaltung. Selbstverständlich gab es noch wesentlich mehr Dinge, die hier erwähnt werden könnten, aber wir müssen Rücksicht auf die Webserver nehmen, damit es diese nicht auseinandersprengt. Deshalb kann hier nur ein kurzer Abriss weiterer Inhalte des Abends gegeben werden:

Um gleich einmal der Gerüchteküche vorzubeugen: Es wird im Jahr 2012 den Schlossbergcup wieder als CC Rennen mit Finale in der MTB-Bayernliga und im OTV Cup geben. Definitiv, ein kleiner Vorbericht zur MTB Bayernliga folgt demnächst. Die in dieser Nacht gegen 1:30 Uhr von der anwesenden Damenriege geführte Diskussion, wir würden demnächst ein 12 Stunden Nacktrennen (oder war Nachtrennen gemeint??) abhalten, fällt unter die Kategorie Augustiner-Brainstorming.

Überhaupt Augustiner: Wir hatten neben einheimischen Gebräu die bekannten zwei Sorten: Hell und Edelstoff. Es gibt eine rund zwei Jahrtausende alte Weisheit, im Wein würde die Wahrheit liegen. Vollkommener Quatsch. Die reine Wahrheit erzählen zumindest Frauen (bei Männern läuft der Test derzeit noch) nach in fünf, sechs Seidla Augustiner Edelstoff. Die reine, ungefilterte Wahrheit. Dieser Abend lieferte den definitiven und unumkehrbaren Beweis. Man fragt sich, warum sich das in Geheimdienstkreisen oder bei laufenden Beweissicherungsverfahren noch nicht herumgesprochen hat.

Auch zu Irritationen zum Thema Vereinstraining muss eine Klarstellung erfolgen: Es gibt weiterhin die auf der Webseite angegebenen MTB, Rennrad und Nachwuchstrainings und natürlich die Infos im Vereinsforum. Es gibt keinen neuen Rennradtreff in Edelsfeld. Nicht um 8 Uhr in der Früh und am gleichen Tag noch mal um 10.30 Uhr. Erst einmal müssen alle Mitglieder lernen, wo Edelsfeld überhaupt liegt. Auch wenn der Abteilungsleiter Rennrad dann am nächsten Tag tatsächlich (erst um 12 Uhr, wegen Augustiner) mit dem Rennrad dort war und gehofft hat, dann mit dem Alterspräsidenten 30 Minuten gemeinsam durch das Hirschbachtal zu fahren. Um eine Integration weiter entfernt wohnender Vereinsmitglieder in den Bereich Rennrad zu forcieren, wurde angeregt, den Rennradtreff in 2012 einmal in Amberg zu starten und anschließend neueste Erkenntnisse in der Sporternährung auf den Grill zu legen.

Den ganzen Abend flammte immer wieder die Diskussion über das Rennradtrainingslager 2012 auf. Der Zeitraum steht, 24.03. bis 31.03.2012, im bewährten Revier an der Toskanaküste. Die Zahl der Interessierten stieg im Verlauf des Abends auf ca. zehn Leute, alleine von uns. Auch hier noch mal die Info: Wir können jetzt schon zwei Trainingsgruppen anbieten, daher können auch weniger trainierte ohne Probleme mitfahren. Auch arme Menschen, die bisher nicht den Weg zu uns gefunden haben, können gerne mitfahren. Die einzigen beiden Voraussetzungen: Ausreichende soziale Integrationsfähigkeit in eine Gruppe (also keine Volldeppen) und Mitgliedschaft in einem Radsportverein (wir können nicht verantworten, dass der vereinslose Profihobbysportler aufgrund des Leistungsausschlusses „Teilnahme an Radrennen und die Vorbereitung hierzu (Training)“ in seiner Privathaftpflicht sein Haus verkaufen muss, wenn er versehentlich mit dem Rennrad ne alte Oma übersieht). Also, wer will, einfach Kontakt mit uns aufnehmen, dann passiert das schier unglaubliche: Wir melden uns sogar!

Hinsichtlich Neumitglieder brauchen wir uns ohnehin keine Sorgen machen, alleine dieser Abend sorgte dafür, dass wir mit einer Flut von Neuanträgen rechnen können. Erste, sehr intensive Verhandlungen wurden bereits geführt. Alles in allem war die diesjährige Weihnachtsfeier sicher eine der Premiumveranstaltungen in diesem Segment im Jahr 2011. Daran wollen wir im Jahr 2012 in allen Bereichen anknüpfen. Allen Beteiligten bei der Organisation – insbesondere Claudio und Caro – noch einmal vielen herzlichen Dank, ihr habt Großartiges geleistet! In der Bildergalerie gibt’s einige Fotos, leider können wir hier nur wenige unzensierte zeigen. Zensiertes Bildmaterial – leider nur für Members only!

Auch im Namen des Vorstandes wünschen wir hier an dieser Stelle nun allen Mitgliedern, Radsportverrückten und natürlich auch dem Rest der großen weiten Welt eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit, macht euch nicht zu viel Stress, denkt an die wahren Werte und was Weihnachten wirklich bedeutet und freut euch auf ein neues Jahr 2012 – möge das, was ihr euch vornehmt in Erfüllung gehen!

Viele Grüße

Von dem, der am Sonntag nicht in Edelsfeld war…ihr wisst schon.

N.B: Heute erfuhr ich, dass die Deutschen soviel Strom mit Weihnachtsbeleuchtung verplempern, dass man damit ein ganzes Jahr eine 140.000 (!) Einwohnerstadt mit Strom versorgen könnte. LED Lichterketten benötigen lediglich 10% dieser Strommenge. Also, wenn schon Weihnachtsromantik, dann mit LED´s, schon brauchen wir ein Fukushima weniger. Und wir werden nimmer so oft so deppert angeschaut.

 

Comments are closed.