Toskana 2014 – der nicht ganz so offizielle Bericht :)

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Ciacomo Country 2014 the 9th Anniversary – here the in official documentation…

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Nachdem es letztes Jahr aus verständlichen Gründen nicht ganz möglich war, Berichte über unser Trainingslager zu schreiben, wollen wir heuer an die Tradition anknüpfen, daheim gebliebenen Mitbürgern einen Eindruck von unseren erlebnisreichen Tagen an der Toskanaküste mittels einer ausführlicheren Berichterstattung zu vermitteln. Auch wenn diese die dort erlebten Eindrücke natürlich nicht reell ersetzen können. Ebenso ist es schwer, per Bericht zu vermitteln, weshalb es einen inzwischen mit den Jahren gereiften Haufen von Leuten immer wieder dort hinzieht.

 

Die größte Herausforderung…

 

an dieser Unternehmung ist zweifelsohne die Vorbereitung. Explizit im Bereich Terminplanung. Die wenigste Sorge bereitet dabei das Quartier – zu dieser Jahreszeit ist immer was frei. Ganz anders sieht es dabei aus, alle die mitfahren wollen, so zu justieren, dass auch alle in einer bestimmten Woche dabei sein können. An dieser Stelle erst mal Dank an Michel + Co für das Organisieren. In einer Zeit, wo viele ständig erreichbar sein sollen, Urlaubsplanungen beim Arbeitgeber im Oktober des Vorjahres abgeschlossen sein müssen und „einfach mal so ne Woche frei nehmen“ eine Redewendung vergangener Epochen ist, keine einfache Aufgabe. Ebenso das Thema Organisation der Fahrt, danke hier an Dani und Biggus für das Organisieren der Fahrzeuge und großer Dank an unseren Sponsor Motor Nützel für das Bereitstellen eines T5 Neunsitzers.

 

Wie immer war am Ende der Andrang an Teilnehmern groß und inzwischen international – unter den 14 Teilnehmern war auch ein Wahlschweizer („wo ich schon mal war, fahr ich nimmer hin“ – Einzige Ausnahme: Ciacomo Country, alleine das sagt eigentlich schon alles). Das großzügige Raumangebot der eingesetzten Fahrzeuge erlaubte wieder die Mitnahme von allem, was man in einem Trainingslager braucht. Eben je nach Bedürfnis – der eine braucht zwei MTBs, zwei Rennräder und 50 Liter Hustensaft, der andere kann ohne volle Kanne Dröhnung aus einer HiFi Anlage nicht kochen und so ziemlich alle brauchen inzwischen eine Espressomaschine für die Zeit vom Rad nach dem Training abstellen bis zur Dusche. Zusätzlich beanspruchte die neu eingeführte Pflicht der Mitnahme von Gymnastikmatten weitere Raumressourcen. Jedenfalls machte manches Fahrzeug, das zum vereinbarten Treffpunkt der Abreise erschien, beim Ausladen den Eindruck, als hätte man dieses um den ganzen eingeladenen Ramsch herum gebaut.

 

Die Anreise und der erste Eindruck…

 

Gegen ca. 22.30 Uhr am Freitag Abend verließ die erste Vorhut oberfränkisches Territorium gegen Süden. Freie Fahrt, vertrauter Duft im Innenraum, erster Stopp in Kiefersfelden zwecks Erwerb von Aufklebern für die Windschutzscheibe, Fahrerwechsel. Anschließend wurde mit einer Institution gebrochen: Der dann das Fahrzeug steuernde Fahrer fuhr erstmals seit 1987 ohne Halt am Mc Donalds am Brenner vorbei. Man muss auch mal mit Traditionen brechen können. Kostet schließlich alles Trainingszeit. Außerdem sollte das Wetter sich verschlechtern, da ist jede Minute kostbar. So gab es nur einen weiteren Stopp und gegen 8.30 Uhr am Samstag öffnete sich die Eisentür der Grundstückszufahrt in Vince. Freudig wurden wir vom bereits am Freitag angereisten Wahlschweizer und der Crew der Unterkunft begrüßt, Rennräder raus, umgezogen, ab auf dem Bock, gegen Mittag waren wir schon in Sassetta. Über die anschließende Hammerstrecke ist an dieser Stelle schon viel geschrieben worden und außerdem: Schreiben bringt hier eigentlich nix, da man das eh nicht beschreiben kann. Mittags dann schon Cappo in Suvereto – neuer Rekord. Im Anschluss traf die Restmenge am Zielort  ein, hektisches Treiben (wo ist mei Fahrrad?, hab ich alles mitgenommen?, wer pennt vorn, wer pennt hinten?) beherrschte das Geschehen in der ansonsten recht beschaulich wirkenden Ferienanlage „poderelagave“, die wir inzwischen mit nichts anderem mehr tauschen möchten. Doch dazu später.

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Während sich Gruppe 2 nun der gleichen Leidenschaft der Sassettarunde hingab, erledigte der Rest gleich mal den Einkauf. Mit 350€, verteilt auf drei Einkaufswägen, geht man schon mal als Wirtschaftsfaktor durch. Der Kollege vor dem Eingang, der uns früher stets mit der Polizei gedroht hat, falls wir die Einkaufswagen ins Fahrzeug einladen, ist inzwischen unser bester Freund, gibt wertvolle Tipps („ihr steht auf dem Parkplatz der Carabinieri und die verstehen keinen Spaß“) und hat sich über die von uns erhaltenen Punkte auf seiner Coop Card sichtlich erfreut. Alles easy also, doch am ersten Tag ist noch nix mit selber kochen, wozu gibt´s die Pizzeria in Campiglia. Dort angekommen war noch Gelegenheit, sich auf dem Aussichtspunkt der dortigen Höhenburg einen Eindruck von der Umgebung zu verschaffen, was vor allem alle die das erste Mal dabei waren, gleich mal beeindruckte. Mehr braucht man eigentlich nicht.

 

Die Tage danach…

 

Wie in den vergangenen Jahren begannen die Tage mit dem täglichen Aufwärmprogramm. Allerdings nicht immer das gleiche in Form von Vorturnen am Schweinegehege. Wozu hat man exzellente Trainerinnen im Hallentraining im Winter – da kann man viel mitnehmen. So wechselten sich Gymnastik am Boden, besagtes Traditionsstretchen am Saugehege und Lauftechniktraining entsprechend ab. Von unseren Gastgebern werden wir inzwischen mit einem Frühstück versorgt, das seinesgleichen sucht. Nachdem sich am Tag 2 das Wetter wie gesagt verschlechterte, beschlossen ein Triathlet, ein ausgemusterter Mountainbiker der das wieder für sich entdeckt hat und ein Mountainbiker, der noch nicht wusste, dass er laufen kann, eben erst mal laufen zu gehen. Davor wurde die zur Schau gestellte Laufmode erstmal für Whats-App abgelichtet, um eine dort streng nicht öffentliche Gruppe zu amüsieren. Inzwischen lacht sich Marc Zuckerberg halbtot, die NSA findet Spionage in Deutschland nicht mehr langweilig und Wladimir Putin möchte nun Vereinsmitglied und selbstverständlich mit 100% aller Stimmen gleich Präsident werden. Eine nicht öffentliche Gruppe halt…

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Der Rest versuchte sich erst mal auf dem Rad, was für die Mädelsgruppe auf der Hochstraße Richtung Ladarello zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde. Ein Kälteeinbruch in Form von Temperatursturz, verbunden mit pechschwarzen Wolken und anschließendem Hagelunwetter ließen die Fahrt in Monteverdi enden. Die Abholung per Transporter erfolgte prompt, da zeigt sich, es hat sich alles inzwischen perfekt eingespielt. Das Laufvolk hatte an dem Tag mehr Glück, im Süden war ne blaue Wolkenlücke. Der wurde einfach nachgefahren – Ergebnis: Alles trocken bis ins Ziel und neue Gegenden (nach 9 Jahren!) kennen gelernt. Abends erstes Mal selber kochen und man mag es nicht glauben: Selbst im Jahr 2014 gibt es noch Zusammenrottungen von Menschen, die keinerlei Regelungen brauchen und alles klappt wie von selber ohne geringste Probleme. Langsam sollte man darüber ein Buch schreiben und dieses teuer an Unternehmensberater verkaufen.

Tag drei war geprägt von der Frage „wo fahr ma denn heut hin“, was angesichts von ständig wechselnden Wetterberichten im Netz und Wetterzuständen in der Realität nicht ganz einfach war. Egal, rauf auf die Kiste, nach zehnmal umplanen ging es erst mal in Richtung Bolgheri (Schweizerisch: Boligerie). Enttäuschung unterhalb Castagneto: Kein Radcamp wie bisher mit holländischen Nationalfahrerinnen. Seit Rabobank nix mehr sponsert, dürfen die wahrscheinlich nur noch am Deich trainieren. So kann‘s gehen. Zwei Ortschafen weiter trennen wir die Gruppe auf, Taktik wie am Vortag – immer den blauen Wolkenlücken nach und wie soll sein – dadurch wieder auf neuen Strecken anstelle auf ausgetretenen Pfaden unterwegs. Die Berge waren ideal für K3 Training zu nutzen, um dann am Ende von Insidern zu erfahren, dass man nach 25 Jahren darauf gekommen ist, dass das nichts bringt. Was hätte aus manchen Sportlern werden können, wenn sie dies schon 1989 gewusst hätten und sie damals anstelle von zwei Kilo Nudeln am Tag eine Hälfte Argentinisches Angusrind gegessen hätten.

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Eigentlich war an Tag vier eher Ruhe angesagt, die weitere Planung wurde aber durch wieder mal gefühlt 50 verschiedene Wetterprognosen erschwert. Gemäß der Devise es ist trocken, wir fahren heut noch hoch nach Montieri fand sich eine ansehnliche Gruppe für diese inzwischen traditionelle Herausforderung. Und tatsächlich: Es blieb schon mal bis zum Zielort trocken. OK, 5 Grad plus auf 750 Meter Höhe Ende März ist schon etwas überdurchschnittlich kalt, aber wir waren ja auch schon im Februar hier. Außerdem ist die dort befindliche Kneipe innen eh schöner als draußen. Die anschließenden Abfahrten waren ebenfalls noch trocken, perfekt. Gut, bei der 12 km Abfahrt bei Tatti gab es erst Unterbrechung durch eine Eselherde und dann durch ein 15 Meter großes Loch, die Straße lag 20 Meter tiefer. Die 30 vorher aufgestellten „Strada Chiuso“ Schilder hatten also tatsächlich eine Bedeutung. Aufgrund der ständigen Gefahr, vom Regen erwischt zu werden, verzichteten wir diesmal einen Besuch im Ischencafe in Valpiana. Eine gute Entscheidung, wir waren fünf Minuten am Ziel, zwei komische Typen wechselten noch in die Laufschuhe, als die wieder zurück waren setzte ergiebiger Dauerregen ein. Abends erlebten wir einen neuen Höhepunkt: In Venturina gibt es eine Pizzeria, die wir hier nicht nennen. Wir wollen den Geheimtipp für uns behalten. Sonst wird der arme Pizzabäcker definitiv überrannt. Wer hier Ironie sucht, leider verloren… des war der Hammer! Ach ja, danke noch mal an Michel für die Übernahme der Runde…

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An Tag fünf war es nun endlich Zeit für einen Ruhetag, der unterschiedlich genutzt wurde. Die einen rollten noch mal nach Bolgheri (CH: Boligerie). Andere besuchten wieder mal Pisa – dort gibt es einen neuen Höhepunkt des digitalen Mediengrusels. Es gibt nun Menschen, die haben eine Art Antennenstab, um daran ihr Smartphone zu befestigen und dieses dann einen Meter vor sich herzutragen. Dieses filmt dann permanent den Besitzer, wie er sich hier z.B. Pisa anguckt und stellt das ganze dann 1:1 ins Netz. Braucht man unbedingt. Würde es keine Bilder geben, der Rest der nicht dabei war hätte es nicht geglaubt. Jedes Jahr wird die Menschheit ein wenig blöder. Zum Glück gibt es noch Orte wie Populonia. Man kann sich dort fern dieser Welt auf eine Bank legen und aus 200 Meter höher auf das Meer, auf Korsika, auf Capraia und auf Elba gucken. Hierzu benötigt man kein I Phone und den ganzen anderen Scheiß. Gut, ganz ruhig war es nicht, unsere Girls-Group hatte sich im benachbarten Cafe eingenistet und eine Horde einheimischer, selbstverständlich Gutaussehender, Zuvorkommender, Frauenverstehender und natürlich endlos treuer Radrennfahrer hatte diese nach altmodischem K3 am Berg entdeckt. Logisch, dass man bei unseren Mädels stehen bleiben muss.  Abgerundet wurden die Aktivitäten durch eine MTB Tour durch die Maremma, die wunderschön war, sieht man von einer Horde von 50 Hunden ab, die dort in der Pampa von irgendeinem seltsamen Menschen gehalten werden.

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An Tag sechs machten sich Erkenntnisse breit, es ist ja schon Donnerstag und bald ist alles schon wieder vorbei. Zeit also, wieder ins Training einzusteigen. Wettertechnisch war es nun umgekehrt: Die Rad und dann Lauffraktion hatte bei ihren 4,5 Stunden auf dem Bock 3 Stunden Regenanteil in den Bergen, was dazu führte, auf dem Rückweg mal wieder die zwei 18% Killerrampen bei Montebamboli zu panieren. Danach war der Regen davor kein Thema mehr. Der Rest hatte diesmal das Glück: Alle blieben trocken und um das auszugleichen, sprangen die ersten nach dem Training gleich mal in den Pool. Die vorgenannten Aktionen erforderten damit einen erhöhten Bedarf an Espresso con Grappa, bevor mit dem üblichen Abendprogramm begonnen werden konnte. Nachdem wir ja einige Mädels dabei hatten, gab es einige neue Highlights beim Abendessen, die man ansonsten nur in Malle im 5-Sterne Hotel vorgesetzt bekommt. Gut, der eingekaufte Weißwein entpuppte sich eher als Kühlmittel für Kraftfahrzeuge, aber so was kann halt mal passieren. 

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Somit stand der längsten Einheit der Woche an Tag sieben nichts mehr im Wege. Es war wieder mal an der Zeit für die traditionelle Ciacomo-Runde (also nach San Gimignano über Volterra, dort wurden die Gruppen aufgeteilt) Die, die kürzer fahren wollten fuhren anschließend eine Variante über Canetto durchs Colline Metallifere, dem „toskanischen Erzgebirge“. So hatte selbst die kürzeste Einheit an diesem Tag 140km und einiges an Höhenmetern zu bieten, die Alternative am Ende brachte 160km und die Route über San Gimignano knappe 190km incl. den üblichen Spielchen am Schluss und dem finalen Stopp am Eiscafe in der Fußgängerzone von San Vincenzo.

 

Der letzte Tag und die Rückfahrt:

 

Wie schon angedeutet, verging die Zeit wieder mal viel zu schnell, die Woche war rum wie nix. Somit blieb am Samstag nur noch die Sachen zu packen, ggf. noch ne kurze Runde auf dem Rad oder in den Laufschuhen zu drehen, das letzte Mal ins Cafe und dann ab wieder zurück nach Hause. Doch gegen Mittag überraschten uns unsere Gastgeber mit einen „little Snack“ – wie auch immer, auf rund 10 Metern Tischlänge wurde aufgetischt was das Zeug hält. Danach aus Platzgründen abgeräumt und das gleiche noch mal in Form von Nachspeisen, verbunden mit der Einladung, doch noch einen Tag zu bleiben. Leider konnten wir das nicht annehmen, der Sprinter der als Radtransporter herhielt, musste am nächsten Tag um 10 Uhr wieder beim Vermieter sein.20140329_122253IMG-20140323-WA0000

 

Was wäre eine Rückfahrt ohne Komplikationen – richtig: Nichts. Daher machte der T5 zunächst den Eindruck, als Saugdiesel auf die Welt gekommen zu sein. Nach der Mautstelle in Sterzing verstärkte sich dieser Eindruck dramatisch – im dritten Gang gingen noch ca. 60 Sachen den Brenner hoch. OK, war bei VW Bussen vor dreißig Jahren auch nicht anders. Nur mit dem Unterschied, dass sich niemand dabei Gedanken gemacht hat, wann die Geschwindigkeit sich der Marke 0 nähert. Als die Passhöhe erreicht war, erstes Aufatmen, die Kiste hielt anschließend durch bis Pegnitz. War wohl irgendein Sensor, der gestört war, Zeit haben wir dadurch wenig verloren, dafür eine umso spannendere Fahrt.

 

Somit bleibt bei allen die Erinnerung an eine wirklich schöne Woche in einer Gegend, die vielen von uns inzwischen sehr vertraut ist. Fast schon so was wie eine zweite Heimat. Nicht zuletzt auch dank unserer Gastgeber im „poderelagave“ – ihr wahrt wieder einsame Spitze! Und Unfälle hatten wir diesmal auch keine, na ja fast, einen von uns hat es mal im Kreisverkehr gelegt. Wen, wird hier nicht verraten. Klassische Rennradverletzung mit Schürfwunde am Knie. Mehr braucht man ja auch nicht. Wie wir inzwischen auch recht gut wissen.

 

Na denn – 2015 wärs für den Autor dieses Berichts das zehnte Mal. Wär schön, wenn es wieder klappt…

 

 

PS: Infos zu unserer sensationellen Unterkunft findet ihr unter http://www.poderelagave.com/de/ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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